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In den Besinnungen um 13.00 Uhr in der Vesperkirche, aber auch in den Gesprächen an den Tischen gibt es immer wieder Gedankenanstöße, die es wert sind auch einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu sein. Lesen Sie weiter...


"Das Mahl der Ausgegrenzten"

"Tischgemeinschaft mit den Ausgegrenzten" aus dem Misereor-Hungertuch "Hoffnung den Ausgegrenzten" von Sieger Köder © MVG Medienproduktion, 1996.

Vesperkirche in Nagold

Das nächste große kirchenübergreifende Projekt der evangelischen, evangelisch-methodistischen und katholischen Kirche startet morgen. Für zwei Wochen wird in der Stadtkirche die Vesperkirche Einzug halten. Dann gibt es jeden Tag ein warmes Mittagessen für alte und junge Menschen mit und ohne Geld, einfach für alle, die Hilfe, Wärme und Gemeinschaft suchen – und verschenken möchten. Das Mittagessen kostet 1 €, Kinder essen umsonst. Kaffee, Tee, Kuchen und alkoholfreie Getränke gibt es für alle kostenlos.

Am Altar der Stadtkirche wird während der Vesperkirche ein Bild von Sieger Köder hängen. Es trägt den Titel „Das Mahl der Ausgegrenzten“ und ist auf dieser Zeitungsseite abgedruckt.

Acht Personen hat Sieger Köder dargestellt, sechs davon sind Menschen am Rande. Die Ausgegrenzten sitzen an einem reich gedeckten Tisch. Und wir, wo bleiben wir? Verdrängen die Armen uns von unseren reich gedeckten Tischen?

Seit dem 1. Januar dürfen Rumänen und Bulgaren in der EU frei reisen. Werden sie auf unsere Kosten Arbeitslosengeld beziehen?

127.000 Menschen haben im letzten Jahr bei uns Asyl beantragt, 50 davon leben im ehemaligen Haus Waldeck. 2012 waren es nur 77.000 Menschen. Wieder sind Ängste da. Müssen wir teilen? Werden wir arm, wenn wir teilen?

Sieger Köder hat nicht nur Ausgegrenzte gemalt. Links unten hat er auch ein Liebespaar dargestellt. Die Frau hat den Arm um ihren Freund gelegt; er hat ihr Rosen mitgebracht.

Wer liebt, der paßt an den Tisch Jesu. Wer liebt, sieht in einreisenden Rumänen und Bulgaren nicht zuerst Sozialschmarotzer, sondern Menschen, die zu Europa gehören wie wir. Wer liebt, sieht in den neuen Asylbewerbern im Haus Waldeck nicht in erster Linie eine Gefahr. Er sieht in ihnen Mitmenschen, die alles aufgegeben haben, um ein Leben in Frieden zu finden.

Ist das schöne Bild von der Mahlgemeinschaft der Völker utopisch? Ist es romantisch? Gibt es nicht selbst in Europa Konflikte zwischen Nationalitäten?

Sieger Köder malt mit seiner Festtafel keine Romantik. Die Menschen am Tisch feiern keine rauschende Verbrüderung; sie sitzen eher scheu und zurückhaltend da. Nicht Sympathie auf den ersten Blick hat sie zusammengeführt, sondern der Gastgeber, Jesus. Er verbindet seine Gäste durch seine Person, durch das Brot, das er austeilt. Von Jesus her will auch die Vesperkirche in Nagold verstanden sein.

Pfarrer Reinhard Hauber

Das Bild wird während der Vesperkirche am Alter hängen.


Mitarbeiterimpuls: Noahs Arche

Wenn du sie damals nicht alle mit hineingelassen hättest in die Arche,
die bunten und verschiedenartigen Tiere,
um wie viel ärmer wäre deine Menschheit, Herr.
Niemand weiß besser als du, wie viel wir bis heute gemeinsam haben mit den Tieren.

Hilf mir mit allen zurechtzukommen:
Mit den Meckerziegen und albernen Gänsen,
mit alten Drachen und lahmen Enten,
mit Mistkäfern, Trampeltieren und Windhunden,
mit sturen Böcken und komischen Käuzen,
mit Nachtfaltern und Eintagsfliegen,
mit Leithammeln  und folgsamen Schafen,
mit verwöhnten Schoßhündchen und Pechvögeln. 

Gib mir Verständnis
Für Einsiedlerkrebse und gesellige Pinguine,
für wendige Wiesel und tapsige Bären,
für schlanke Giraffen und fette Masthähnchen,
für giftige Nattern und lustige Spaßvögel,
geduldige Lämmer und wilde Wölfe,
stachelige Igel und anschmiegsame Katzen.

Hilf mir beim Zusammenleben
mit den fleißigen Bienen und faulen Siebenschläfern,
mit hässlichen Raupen und wunderschönen Schmetterlingen,
mit stolzen Pfauen und unscheinbaren Kirchenmäusen,
mit starken Löwen und scheuen Rehen.

Herr, es ist nicht immer ganz einfach,
es in deiner Arche auszuhalten.
Gib mir die nötige Geduld und eine Prise Humor, sie alle zu ertragen
Und jedem Tierchen seine Pläsirchen zu lassen.

Und vor allem:
Lass mich nicht vergessen, Herr,
dass ich für die anderen manchmal auch
ein ziemlich seltsamer Vogel bin.

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